Modellprojekt
Gerontopsychiatrische
Vernetzung in der Region
Main-Rhön

 

Begriffserklärung

Angststörungen im Alter werden leicht übersehen und verkannt. Denn mit zunehmendem Alter vermischen sich die klassischen Krankheitsbilder, rücken uncharakteristische körperliche Symptome in den Vordergrund und verfließt die Grenze zwischen gesund und krank. Die Umwelt sieht in der Angst älterer Menschen vermehrt rein körperliche Missempfindungen und führt sie lapidar auf das Lebensalter zurück („Das ist altersbedingt“). Zudem scheuen sich viele ältere Menschen, über psychische Probleme zu sprechen. Wenn sie angstbesetzten Situationen aus dem Weg gehen, fällt dies weniger auf. Denn ältere Menschen sind leistungsmäßig weniger gefordert. Für sie gilt es als normal, dass sie weniger soziale Kontakte haben. So erklärt sich, warum Ängste bei älteren Personen zu selten diagnostiziert und angemessen behandelt werden.

Angst ist ein natürlicher Schutzmechanismus. So ist z. B. die Angst, eine viel befahrene Straße zu überqueren, durchaus berechtigt. Sie führt dazu, dass wir vorsichtig sind und so sicher an die andere Seite gelangen. Angst kann aber auch eine krankhafte Erscheinungsform annehmen. In älteren wie auch in jüngeren Jahren können Ängste sowohl vor konkreten Dingen bestehen als auch in Form einer Angsterkrankung, bei der Gefühle der Angst ohne konkreten Auslöser vorliegen. Konkrete Ängste können mit zunehmendem Lebensalter z.B. vor Einsamkeit, Isolation, Armut, Angst vor Verbrechen (z. B. Überfällen, Trickbetrügern etc.) Verlust des Partners, Erkrankungen, Hilflosigkeit, Abhängigkeit, Schmerzen oder dem Tod bestehen. Diese Ängste sind unter Umständen nur schwer zu bekämpfen, weil sie ja häufig nicht unbegründet sind. Jedoch können der Aufbau und die Pflege sozialer Kontakte (auch in Seniorenheimen), eine gute ärztliche und pflegerische Betreuung mit - falls erforderlich - wirkungsvoller Schmerztherapie und eine innere Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben und dessen Ende eine Entlastung bewirken.